Wann Firmen ihre Facebook-Seite lieber löschen sollten

„Ja, Facebook machen wir ganz viel!“ – immer mehr Unternehmen sind stolz auf ihre Social Media Aktivitäten und tun dies kund. Eigentlich ein gutes Zeichen, da die Vorteile für eine gute geführte Facebook-Seite auf der Hand liegen. Doch bei jedem heißt „ganz viel“ etwas anderes. Wenn man sich entsprechende Seiten dann später ansieht, fragt man sich manchmal, was mit der vollmundigen Ankündigung gemeint war. Immer wieder stoße ich auf Seiten, die Firmen besser wieder offline nehmen sollten – und das aus unterschiedlichsten Gründen. Hier die Top5-Typen:

Beispiel 1: Die Nicht-Poster

Der Klassiker: Eine Firmenseite wird angelegt, aber schon nach einem Monat wird die Betreuung eingestellt. Ab und zu wird noch eine Pressemitteilung geteilt, aber zwischen den einzelnen Beiträgen liegen Monate. Wenn ich auf solche Seiten stoße, bin ich schnell wieder weg. Immerhin will man diese Seiten ja liken, um etwas über das Unternehmen und seine Angebote zu erfahren. Zudem schadet dieses Verhalten enorm der Reichweite, weil eine Seite, auf der es kaum Beiträge und somit auch keine Interaktion gibt, vom Facebook-Algorhythmus als nicht relevant erachtet wird. Mein Tipp: Die Seite offline nehmen, intern klären, ob man regelmäßig etwas posten kann und dann entweder mit einem Plan wieder online gehen oder die Seite erstmal stilllegen.

Beispiel 2: Die Alles-Teiler

Facebook ist eine ideale Plattform, um seine eigenen Dienstleistungen anzupreisen und um mit Kompetenz zu glänzen. Doch einige Unternehmensseiten bestehen zu 90 Prozent aus Content, der einfach nur von anderen Seiten geteilt wird. Dies gelegentlich zu tun, ist lobenswert, aber dennoch sollte das eigene Produkt stets im Vordergrund stehen. Sprich: Man sollte auch mal eigenen Content erstellen, was auch elementar für die Reichweite ist. Wer gerne Inhalte anderer Seiten teilt, sollte zudem immer eigene Worte voranstellen bzw. Bezug auf sein Produkt nehmen. Wenn ich als Autohändler beispielsweise das Imagevideo des neuen BMWs teile, sollte ich Informationen dazu ergänzen wie „Steht schon in unserem Haus für eine Testfahrt bereit“ oder „Nur diese Woche bei uns für XX.000 Euro“.

Beispiel 3: Die Nicht-Antworter

Der Begriff „sozial“ in „Soziale Medien“ hat eine elementare Bedeutung. Es bedeutet nämlich, dass diese Netzwerke auf Interaktion setzen, einen Austausch untereinander. Doch viele Marketingabteilungen sind nur frontales Marketing gewohnt. Sprich: Entweder du greifst bei unserem Angebot zu oder nicht. Da werden schöne Grafiken ins Netz gestellt, um dann die User damit allein zu lassen. Doch es tauchen auch mal Fragen auf, die dann in den Kommentarspalten verwaisen. Keine gute Social Media Seite funktioniert ohne Kundenservice! Das muss jedem klar sein. Wenn dann Fragen über Wochen nicht beantwortet und Kommentare wie „Könntet ihr meine Frage mal beantworten?“ auch beim dritten Mal nicht berücksichtigt werden, schneidet man sich zusehends ins eigene Fleisch. Gleiches gilt auch, wenn Kritik geübt wird. Während man im Callcenter einfach auflegt, sind diese Prozesse auf Facebook öffentlich einsehbar. Und bei einem Unternehmen, dass die Fragen seiner Kunden nicht ernst nimmt und auf Kritik nicht reagiert, wird die Neukunden-Akquise schwierig.

Beispiel 4: Die Qualitäts-Verweigerer

Fehler dürfen gemacht werden. Gerade bei kleinen Unternehmen, die kein Budget für externe Kräfte haben und sich eine Inhouse-Lösung aufbauen, bleibt das nicht aus. Doch bei manchen Firmenseiten scheint Rechtschreibung keine Bedeutung zu haben. In jedem Post mindestens ein Fehler, der auch im Nachgang nicht korrigiert wird. Dazu kommen Fotos, gerne die Titelbilder, in einer Auflösung, die selbst auf kleinen Handydisplays schon pixelig ist. Facebook ist Außendarstellung. Welchen Eindruck sollen Neukunden gewinnen, wenn ein Unternehmen keinen geraden Satz formulieren kann und Fotos in einer unterirdischen Qualität hochlädt? Bei einer Broschüre oder einem Plakat würden das wohl auch die wenigstens durchgehen lassen. Warum also im Internet?

Beispiel 5: Die „Hauptsache witzig“-Fraktion

Ja, lustige Inhalte funktionieren sehr gut auf Facebook. Und so manch ein Unternehmen kann dem nicht widerstehen. Gelegentlich ist das auch angebracht, denn Social Media ist immer auch Unterhaltung. Aber bestenfalls finden Sie ein lustiges Bild oder Video, dass sich auch mit einem Thema Ihrer Firma verknüpfen lässt. Wenn aber jede Woche mit einem „Schon wieder Montag“-gif beginnt und mit einem „Endlich Wochenende!“-Video endet, darf man an der Arbeitsmoral zweifeln. Lassen Sie sich nicht von den vielen Likes täuschen. Denn auch wenn man auf diesem Weg viele Menschen erreicht, hat die Seite nichts mit dem eigentlichen Produkt zu tun. Der tatsächliche Nutzen darf also angezweifelt werden.