Ein großes Stück Freiheit

“No risk no fun”

Was eigentlich eher nach dem Leitspruch eines Extremsportlers klingt, kann sich auch im Job bewahrheiten. Vor einiger Zeit schrieb ich über meine Kündigung bei meinem Arbeitgeber. Natürlich gab es verschiedene Faktoren, die mich dort unzufrieden gemacht haben, aber es gibt keinen einzigen Grund der so schlimm wäre, dass ich über diesen Arbeitgeber öffentlich herziehen würde. Doch mir fehlte damals etwas die Perspektive. Vor allem verzweifelte ich daran, dass mein Tempo bei der Weiterentwicklung des Online-Auftritts nicht dem der Führungsetage entsprach. Ein Zustand, der scheinbar viele Menschen mit eigenen Ideen und Festanstellung plagt.

Aufgrund des nicht vorhandenen Angebots an festen Arbeitsstellen in Städten, in denen ich leben wollte, entschied ich mich für die Selbstständigkeit. Noch ein freier Journalist mehr, der ums überleben kämpfen muss –  denken viele Menschen, denen ich zum ersten Mal davon erzähle. Und auch die öffentliche Wahrnehmung suggeriert genau dieses.

Doch ich kann nur sagen: Der Schritt hat sich bisher mehr als gelohnt. Klar, nur für Zeitungen Texte schreiben – davon könnte ich auch nicht leben. Doch es ist beeindruckend, welche Türen einem offen stehen, wenn man ein gutes journalistisches Gespür und ein wenig Organisationstalent mitbringt. Mein beruflicher Schwerpunkt liegt im Online/Social Media-Bereich. Ich betreue und berate inzwischen mehrere Facebook-Auftritte mit unterschiedlichem Aufwand und zu unterschiedlichen Themen. Dabei habe ich bei meiner Auswahl darauf geachtet, dass ich mit Unternehmen zusammenarbeite, die mir vertrauen. Dadurch muss ich lediglich quartalsweise Ergebnisse präsentieren, sonst wenig Absprachen halten. Heißt: Ich habe freie Hand bei der Seitengestaltung. So kann ich selbst Ideen weiterentwickeln und sporne mich dadurch mehr an, meine Arbeit gut zu machen. Der große Vorteil: Ich habe viele unbefristete Engagements, die zwar zeitnah kündbar sind, mir aber aktuell ein stabiles Einkommen garantieren.

Zusätzlich arbeite ich stundenweise in einer Kommunikationsagentur. Hier betreue ich die Organisation einer Reisemesse. Das hat zwar am Ende nur noch wenig mit dem Beruf des Journalisten zu tun, ist aber eine spannende Erfahrung, die sich sicherlich gut fürs Portfolio macht. Darüber hinaus lernt man viel über Kundenansprache, Organisation und Agenturarbeit. Erfahrungen, die einem bei der Selbstvermarktung nützlich sind.

Nebenbei gibt es noch ein paar Projekte, die gerade anlaufen. Zwischendurch finde ich dann noch Zeit für Rezensionen und Texte für Zeitungen. Da kann ich aber genau wählen, was ich machen möchte. Das Ergebnis ist mehr Spaß an der Arbeit, woraus auch bessere Texte entstehen.

Meine Kündigung bereue ich also keine Minute. Ich bin flexibler in meinen Arbeitszeiten sowie Arbeitsorten und das Arbeiten fühlt sich dadurch weniger als Arbeit an. Ich bin viel unterwegs, lerne mich selbst zu präsentieren und ich verdiene sogar etwas mehr Geld als vorher.

Natürlich ist nicht aller Anfang so leicht, wie bei mir. Aber ich möchte euch, die vor einer ähnlichen Entscheidung stehen, Mut machen. Natürlich gehört ein bisschen Selbstdisziplin, gute Kontakte und etwas Papierkram dazu. Aber dafür bekommt man ein ziemlich großes Stück Freiheit.