Kündigung trotz Festanstellung

Ein Freund, der in der Schifffahrtsbranche arbeitet, sagte einmal zu mir: “In unserer Branche ist immer Krise.” Gefühlt geht es dem Journalismus, seit dem ich dort beruflich tätig bin, genauso. Das sind zwar erst sechs Jahre, aber wenn man in dieser Zeit immer nur von Kürzungen ließt und hört, macht man sich seine Gedanken.

Ich lese regelmäßig von Nachwuchsjournalisten, dass sie sich Sorgen machen, kein Geld mit diesem Beruf verdienen zu können und vielleicht nie eine Festanstellung zu bekommen. Diese weit verbreitete Verzweiflung kann ich nicht teilen. Ich glaube viel mehr, dass der Job elitärer geworden ist. Die Zeiten des “Schreiberlings”  sind vorbei. Nur gute, neugierige Journalisten werden sich durchsetzen. Davon werden letztlich alle profitieren – vor allem die Qualität der Zeitungen.

Warum ich das niederschreibe? Ich habe gerade meinen Job gekündigt. Ich bin seit ziemlich genau fünf Jahren bei meinem Arbeitgeber. Als Praktikant ohne Studium angefangen, bin ich mittlerweile festangestellter Redakteur mit unbefristetem Vertrag und Projektleiter im Online-Bereich. Meine Arbeitsbedingungen sind nicht optimal, aber gut. Ich werde zwar nicht tarifgerecht bezahlt, bekomme aber als Redakteur für eine Anzeigenzeitung mehr Geld, als mancher Kollege bei der Tageszeitung, da er dort nur über irgendeine Sub-Firma angestellt ist. Kurz um: Ein guter Arbeitsplatz. Trotzdem habe ich gekündigt, weil mir die Entwicklung und die Entscheidungen im Haus nicht gefallen.

Nein, ich habe noch keine neue Stelle, sondern lediglich sehr positives Feedback auf meine Initativbewerbungen. Das gibt mir Mut genug, denn es zeigt, dass gute Journalisten immernoch gebraucht werden.

Einige sind bestimmt beim Wort “Anzeigenzeitung” hängen geblieben und rümpfen die Nase. Sicher gibt es solche, die man nur abwertig als “Blatt” bezeichnen kann. Wir jedoch haben uns über Jahre einen Ruf erarbeitet, auch schon vor meiner Zeit. Wir sind wichtig in den Stadtteilen Bremens. Wir werden von der Politik ernst genommen. Für uns werden Pressekonferenzen manchmal so gelegt, das sie einen Tag vor unserer Veröffentlichung stattfinden, da wir sie sonst vermutlich nicht warnehmen würden, weil es uns nicht aktuell genug ist. Das sind für mich alles Indizien, die eines deutlich zeigen: Es ist egal, welcher Name vorne auf dem Titel steht. Guter Journalismus wird auch bei einer kleinen Zeitung registriert. Und wer schreiben kann und sich seiner Stärken bewusst ist, kann es in dieser Branche noch immer zu etwas bringen – auch mit vernünftiger Bezahlung.

Die “glorreichen” Zeiten sind vielleicht vorbei, doch wer seine Fähigkeiten richtig einschätzt und richtig einsetzt, braucht sich keine beziehungsweise weniger Sorgen machen. Der Kampf an der Spitze ist eng, doch die Medienbranche hat mehr zu bieten als Spiegel, Stern, Süddeutsche und Co. Gerade in Lokalzeitungen liegt eine Zukunftschance. Hier ist das Web noch nicht so weit. Und auch dort werden gute Journalisten gebraucht, denn in vielen Lokalredaktionen gibt es noch zu viele Redakteure, die uninspiriert und ohne Distanz über die Ereignisse in der Region berichten. Auch hier braucht es Qualität.

Ich stehe ab dem 1.9 vermutlich ohne festes Einkommen da. Aber das Macht mir keine Angst, denn ich weiß, was ich kann und ich weiß, dass ich etwas anderes möchte, als es die Entwicklung bei meinem Arbeitgeber erahnen lässt. An alle Jungjournalisten da draußen: Traut euch! Vertraut auf eure Stärken und sagt nicht zu allem Ja und Amen für ein wenig Geld und Festanstellung. Seit kritisch und neugierig auch abseits der Recherche. Ihr werdet auch weiterhin gebraucht.